Geschichte der Wildenburg
Die Burg auf dem "Wilden Berg" 
Die Eifel hat ein rauhes Klima und die Böden geben nicht viel her.
Somit war die Eifel immer recht dünn besiedelt und dies mag der Grund dafür sein, dass sich hier nie größere Städte herausgebildet haben - obwohl wichtige Hauptverkehrswege schon seit der Römerzeit (Trier-Aachen, Trier Köln) und nicht zuletzt im Mittelalter der bedeutende Königsweg von Reims nach Köln durch die Eifel führten. So entwickelten sich in der Eifel ab dem 12. Jahrhundert lediglich Kleinherrschaften, die sich sehr oft über die Jahrhunderte hinweg behaupten konnten. Sie brachen oft erst zusammen, als gegen 1794 französische Revolutionstruppen auch die Eifel eroberten.
Die Bergfeste auf dem "Wildenberg" und die dazu gehörige Herrschaft sind bestimmt älter, als die Urkunde von 1180 besagt, nach der der Graf von Reifferscheidt seinen Besitz unter seine Söhne Gerhard und Philipp teilt. Gerhard behält Reifferscheidt mit der Repräsentation beim Reich und dem Hochgericht für beide Herrschaften. Philipp bekommt Wildenburg, das aus einem östlichen Teil um die Burg auf dem "wilden Berg" und einem westlichen um die frühmittelalterliche Wehranlage auf dem "Burgkopp" bei Giescheid besteht. Da die Burg bereits zu diesem Zeitpunkt erwähnt wird, muss sie schon zuvor bestanden haben.
Es ist urkundlich nachweisbar, dass die nach 1200 regierenden Edelherren von Wildenburg von den Herren von Reifferscheidt abstammten. Die Blutsverwandtschaft mit Reifferscheidt bestätigt Gerhard, Herr zu Wildenburg im Jahre 1272 urkundlich, indem er den Ritter von Reifferscheidt seinen "sanguineus" = Blutsverwandten nennt.
Die Grenzen der Herrschaft Wildenburg gingen weit über die heutigen Ortsgrenzen hinaus und umfassten noch bedeutende Teile der jetzigen Pfarreien Rescheid, Krekel und Sistig. Die Ritter von Wildenburg waren fromme Leute. Auch scheinen die Ritter von Wildenburg hohes Ansehen genossen zu haben, denn im Jahre 1255 bat der Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden, diesen Herrn um Waffenhilfe.
Das Ende der Edelherren von Wildenburg ist in Dunkel gehüllt. Der letzte - um das Jahr 1300 - war mit Johanna von der Marck-Arenberg vermählt. Anscheinend hatte er keine männlichen Nachkommen, denn nach ihm herrschte sein Schwiegersohn Oist von Born zu Engelsdorf auf der Wildenburg. Im Jahre 1335 stellte er sich unter den Schutz des Grafen von Jülich, dadurch wurde Wildenburg Unterherrschaft von Jülich. Fast ein Jahrhundert war Wildenburg Pfandobjekt. Als Pfandherren werden in dieser Zeit genannt Erzbischof Walram von Köln, die Fürsten von Hatzfeld und im Jahre 1379 Karsil von Pallandt, Herr zu Burg-Reuland. Im Jahre 1385 belehnte der Graf von Jülich Dietrich von Engelsdorf mit Wildenburg. Seine Tochter, Elverada, heiratete Werner von Pallandt und brachte dadurch die Wildenburg in den Besitz der Familie von Pallandt im Jahre 1393. Werner von Pallandt teilte den Besitz unter seine Söhne Dietrich und Johann auf. Beide Familien und ihre Erben blieben bis zum Jahre 1706 im Besitz der Wildenburg.
Marsilius III von Pallandt soll grausam gegen seine Untergebenen gewesen sein. Sicher ist: Der Verbleib der hohen Gerichtsbarkeit über die Herrschaft Wildenburg hat zu Auseinandersetzungen zwischen Reifferscheidt und Wildenburg geführt. Vor allem eine heftige Auseinandersetzung zwischen Graf Werner von Salm-Reifferscheidt und dem Herrn der Wildenburg, Marsilius von Pallandt ist überliefert.
Ende Januar 1628 ließ Marsilius von Pallandt im Verlauf dieser Auseinandersetzungen erst drei und am 17. Februar 1628 nochmals 5 Personen hinrichten, die man der Zauberei beschuldigt hatte. Insgesamt wurden in der Wildenburg 16 der Hexerei beschuldigte Personen gefoltert, stranguliert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Hexenturm mit seinen bis zu viereinhalb Meter dicken Wänden, befindet sich das "Angstloch", ein Verlies, heute durch eine Glasplatte geschütztwieder sichtbar.
Er und sein älterer Bruder, der ebenfalls Marsilius hieß, teilten sich den halben Besitz der Herrschaft. Beide hinterließen nur eine Tochter. Die Tochter des älteren, Anna Franziska, war mit Dietrich von Syberg vermählt, die andere, Margaretha mit Alex von Hatzfeld. Mit dem Tode Marsilius III 1669 starben die Freiherrn von Pallandt im Mannesstamme aus.
Da die Ehe der Margaretha von Pallandt mit Alex von Hatzfeld kinderlos war, fiel ihr Besitz im Jahre 1698 an die Familie von Syberg. Somit war die Burg um 1700 im Besitz der Freiherren von Rollingen und der Freiherrn von Syberg zu Eicks. Durch einen Prozess verloren die Freiherrn von Syberg ihren Anteil an der Wildenburg an den Freiherrn von Schaesberg im Jahre 1704. Schaesberg kaufte auch die andere Hälfte der Burg von den Freiherren von Rollingen im Jahre 1708. Im Jahre 1715 verkaufte Schaesberg "Lant und vestung Wildenburg" an den Abt Michael Küll in Steinfeld für die enorme Summe von 40.000 Reichstalern.
Für die Burg begann nun eine neue Zeit. Die Mönche bauten die Burg in ihrer jetzigen Gestalt um und errichteten ein Priorat. Das Tor an der Westseite verschwand, der Wallgraben wurde zugeschüttet und die Fallbrücke durch eine steinerne Brücke ersetzt. Schon 2 Jahre später war aus dem Palast die Kirche geworden. Auf der alten Wehrmauer an der Westseite, entstand das Priorsgebäude mit einer Bierbrauerei im Keller. Immerhin haben die Mönche beim Umbauen darauf geachtet, dass die Anlage wehrhaft blieb.
Nach einer alten Überlieferung, die leider urkundlich nicht belegbar ist, soll die Burg in den Wirren der franz. Revolution im Jahre 1794 kurz belagert worden sein. Die Geschütze sollen auf dem "Hövvel" (steiler Hügel oberhalb der Burg) und auf dem Krohmberg gestanden haben. Diese Überlieferung, die Herr Wilhelm Krahe, der im Jahre 1904 hochbetagt starb, erzählte, gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man bedenkt, dass Tor, Pförtnerhaus und zwei Wirtschaftsgebäude an der Südseite vernichtet wurden. Außerdem sind am Stalle neben dem Hungerturm runde Kanonenkugeln aus Eisenstein, wie sie damals benutzt wurden, eingemauert.
Im Jahre 1802 wurden auf Anordnung der französischen Regierung die geistlichen Güter eingezogen und die Mönche aus den Klöstern vertrieben. Dieses Schicksal ereilte auch die Abtei Steinfeld und das Priorat Wildenburg. Die Burg und das dazugehörige Land wurden verkauft an die Kirchengemeinde und an Privatleute. Den größten Teil des Landes und fast die ganze Vorburg erwarb der Steuereinnehmer Franz Anton Maria Freiherr von Pallandt. Die Hauptburg blieb im Besitz der Kirchengemeinde. Herr von Pallandt übte das Patronatsrecht aus. Aus dieser Zeit stammen noch die 4 geschlossenen Eichenbänke in der Pfarrkirche. Da nun das Prioratsgebäude dem Pfarrer als Wohnung zugewiesen wurde, baute Herr von Pallandt im Jahre 1828 das lang gestreckte Hofgebäude zur Wohnung um. Er errichtete auch das schon erwähnte schöne Gartenhäuschen an der Südseite der Burg und legte im Hoppenberg eine Obstwiese an. Sein Todesjahr war 1850. Oberhalb der Burg, an der Straße nach Krekel bezeichnet ein einfacher Findling sein Grab.
Im Jahre 1816 kam das Eifelgebiet an Preußen, und es wurden die Stein-Hardenberg´schen Reformen durchgeführt. Herr von Pallandt musste einen Teil seiner Besitzungen den Bauern überlassen. Den Rest der ihm verbliebenen Ländereien und Wälder ließ er im Hand- und Spanndienst von einem Grenzgraben umziehen, der heute an vielen Stellen noch sichtbar ist. Nach seinem Tode verkauften die Erben den Besitz.
Die Waldungen, einen Teil des Hauses und den Garten mit dem schönen Gartenhäuschen kaufte der preußische Forstfiskus. Dieser errichtet in Wildenburg eine Königliche Försterei, die bis zum 01. Mai 1917 dort ihren Sitz hatte. Die andere Hälfte des Hauses kaufte der aus Burg Reuland stammende, in Wildenburg von 1848 bis 1898 tätige Lehrer Nikolaus Weyres.
Lage, Gebäude und Sehenswürdigkeiten
Im nördlichen Straßendreieck der alten Handelswege Köln-Aachen, Köln-Trier und Aachen-Trier liegt auf einer bewaldeten Bergkuppe, 568 m über dem Meeresspiegel die Bergfeste Wildenburg. Nur von Osten zugängig, führt eine gut ausgebaute Straße von 2,5 km Länge vom Kreuzungspunkt Krekel der Bundesstraße 258 dorthin. Vor dem Eingang zur Burg, ehe wir auf den Parkplatz einbiegen, bemerken wir ein zwei Meter hohes gotisches Kreuz aus Sandstein, dessen Inschrift wir die Jahreszahl 1789 entnehmen.
IESVS = 6 Jesus
CRVCIFIXVS = 222 der Gekreuzigte
SALVATOR = 55 der Erlöser
MVNDI = 1506 der Welt
= 1789
Darin ist das Baujahr 1789 enthalten, das sich aus der Addition der lateinischen Zahlen, die groß geschrieben sind, ergibt.
Der Eingang zum Tor über den heute zugeschütteten Wallgraben führte früher wahrscheinlich über eine Zugbrücke. Leider ist von dem Tor nichts mehr vorhanden. Dagegen sind Reste der Wehrmauer rechts und links des Weges noch erhalten. Wir betreten nun die ehemalige Vorburg, den heutigen Pallandt-Palas, nachdem wir noch zur Linken einen Blick von der Brücke in den sehr steilen Hoppenberg und ins "Ländchen" getan haben. Links begrüßt uns das alte Pförtnerhaus. Auf massiven Bruchsteinmauern erhebt sich, zur Straße hin überragt, ein kolossaler Fachwerkbau, der über der Haustür die Jahreszahl 1600 trägt. An das Pförtnerhaus schließt sich eine alte Scheune an.
Über der großen Toreinfahrt sehen wir das steinerne Alliancewappen eines Freiherrn von Pallandt und seiner Ehefrau eingemauert. Auf der rechten Seite liegt, auch noch zum Pallandt-Palas gehörend, ein lang gestrecktes Gebäude, das in seinem unteren Stockwerk an der Nordseite Mauern von 3,50 m Dicke hat. Es ist im Jahre 1826 von dem Freiherrn Franz Anton Maria von Pallandt aus Wirtschaftsgebäuden in seiner heutigen Form umgebaut worden. Leider verschwand damals die im Hof quer zur Straße stehende, aber seit 1717 nicht mehr benutzte Burgkapelle. Der in der Verlängerung dieses Gebäudes liegende Stall wurde im Jahre 1870 durch die Forstbehörde errichtet. Durch den Bau dieses Stalles, der schlecht zum Ganzen passt, wurde der Wehrgang zum Bergfried vernichtet. Ebenso verschwand damals der Brandweiher, dessen Grundmauern heute noch sichtbar sind.
Über dem Haupteingang des erwähnten langen Gebäudes (dam. Besitzer WEYRES) befindet sich das Wappen des letzten Freiherrn von Pallandt. Sehenswert in diesem Gebäude ist der kleine Rittersaal mit dem Halbturm und dem Kamin in Empireform. Die Wände dieses Raumes waren um die Jahrhundertwende mit Pastellkreidezeichnungen aus der Tellsage geschmückt. Diese Bilder stammten von dem Lehrer Nikolaus Weyres (1827 -1902, Großvater des Dombaumeisters Willy Weyres). Leider sind die Zeichnungen heute übertüncht.
Wir kommen zur Hauptburg, dem heutigen Burgeherren-Palas. Majestätisch erhebt sich vor uns die Pfarrkirche, die wirklich auf einem Felsen erbaut ist und von zwei eigenartigen Türmen flankiert wird, einem Wehrturm mit Schießscharten und dem mächtigen Bergfried. Es ist das Palastgebäude, die Wohnung des Ritters. Die Prämonstratensermönche des Klosters Steinfeld haben im Jahre 1717 dieses Haus zur Kirche umgebaut. Ebenso sind die Freitreppe und das romantische Portal - dem der Abteikirche zu Steinfeld nachgebildet und von den Mönchen errichtet worden. Das ursprüngliche Aussehen dieses Palastes können wir uns an heute noch sichtbaren Mauereinschnitten und zugemauerten Türen leicht rekonstruieren.
L. Arntz schreibt in der Zeitschrift für christliche Kunst im Jahre 1908: "Die aus dem Burghaus im Jahre 1717 durch Fortnahme der Zwischendecke entstandene Kirche ist ein rechteckiger Saalbau, im Lichten 8,50 m x 20,20 m groß, geputzter Bruchsteinbau mit Türen und Fenstern in rotem Sandstein. Die Fenster des Erdgeschosses auf den Langseiten wurden zu Nischen für Beichtstühle und zu einer Tür verändert, während die schmalen Rechteckfenster der freien südlichen Kurzseite mit ihren schmalen Schlitzen damals zugemauert, aber im Jahre 1905 wieder freigelegt wurden. Aus den Fenstern des ehemaligen Obergeschosses wurden auf der Ostseite drei lange rundgeschlossene Fenster mit schlichter Haussteinrahmung. Das Hauptgesims besteht aus zwei Lagen schwerer Eichenhölzer. Die Ostfront des Burggebäudes war ursprünglich höher, wie der Ausschnitt für dessen Dach am Bergfried zeigt."
Das Untergeschoß des Bergfrieds wurde nur wenig verändert und zur Sakristei umgestaltet. In dem an der Südseite gelegenen Wehrturm musste leider die steinerne Wendeltreppe beseitigt werden, um den Seilen der beiden Glocken - gegossen 1777 - Platz zu machen. Das Palastgebäude konnte nur durch die heute noch vorhandene Tür vom inneren Burghof aus betreten werden. Der Zutritt zum Obergeschoß, zum Dachwehrgang und zu den oberen Geschossen des Bergfrieds geschah durch eine zwischen zwei Mauern durchführende Treppe, die heute noch hinter dem Hauptaltar sichtbar ist. Die Wendeltreppe des Wehrturmes führte zum Dachwehrgang und zum vierten Stock des Bergfrieds.
Der Bergfried, als Wohnturm benutzt, unterschied sich wesentlich von den gleichen Bauwerken anderer Burgen. Zunächst unterschied er sich in der Grundrissform. Während die meisten Bergfriede einen kreisförmigen oder quadratischen Grundriss aufweisen, hat dieser als Grundriss ein Quadrat mit aufgesetztem Kreissegment. Er stand auch nicht isoliert vom Erdgeschoß und ohne Eingang im unteren Teil, sondern stand mit allen Stockwerken in Verbindung. Alle vier Stockwerke waren durch Kamine beheizbar, von denen einer in der
Sakristei in einer Breite von 1,90 m noch erhalten ist. Er trägt das Alliance Wappen der Eheleute Johann von Pallandt und Cäcilia von Mompesch und die Jahreszahl 1553.
Die oberen Stockwerke tragen noch Reste des früheren Verputzes, an denen wir feststellen können, dass man dazu Lehm mit Stroh untermischt und Kalktünche verwandte. Zur Ausschmückung des Raumes wurden Holzschablonen in den weichen Verputz gedrückt, wie im ersten Stock des Bergfrieds noch sichtbar ist. Während die drei unteren Stockwerke hauptsächlich Wohnzwecken dienten, benutzte man den oberen Raum zur Verteidigung und als Aufenthalt der Turmwache. Die Sohlbänke der Fenster liegen hoch, so dass ein Mann hier stehen konnte, geschützt durch Holzklappen, deren Konsolsteine mit den Lagen für Drehzapfen noch vorhanden sind.
Um die Jahrhundertwende war der Turm bis zum Erdgeschoß hohl und ein Tummelplatz für wilde Tauben. Nur die Balkenreste der einzelnen Stockwerke waren noch vorhanden. Dank der Mühe des damaligen Pfarrers, wurden im Jahre 1905 die Mauern ausgebessert, einer neuer Dachstuhl aufgesetzt, die Innenstockwerke aus Holz errichtet und eine steinerne Außentreppe gebaut. Ebenso wurde damals das Kirchendach, sowie da Dach des Wehrturmes erneuert und die Kirche einfach und schlicht ausgemalt. Sehenswert ist die in der Kirchenmauer untergebrachte kleine Burgkapelle. L. Arntz (1908): "Im Obergeschoß des Palastes ist neben dem Turm eine schräge Wand auf Konsolen vorgeragt, mit spitzbögigem, im Lichten 30 cm breitem Fenster das auf die kleine, hier in der Mauer übereck untergebrachte Hauskapelle hinweist. Der windschiefe Raum der Kapelle ist 2 m breit und im Mittel 1,50 m tief, rippenlos kreuzgewölbt. Unter dem mit breiter Schräge gerahmten Fenster noch der große Mensaunterbau, rechts davon eine Piscianische in Haustein, rechteckig innen im Giebel, außen mit zwei gekuppelten Rundbögen geschlossen. Reste gotischer Malerei haben sich auf den drei Wänden erhalten. Erkennbar sind noch Figuren von Heiligen unter Baldachinen mit einem Sternmuster auf gelbem Grund. Auch die rote Untermalung der Sterne ist noch erhalten."
Die hier erwähnte Hauskapelle wurde von den Mönchen vermauert. Während der Renovierung der Kirche im Jahre 1905 ließ Pfarrer Dr. Breidenbend die Hauskapelle öffnen und die Holzplatte durch ein Fenster Ersetzen.
Die hofanlage besteht aus dem hochgelegen großen Burgbrunnenhof und dem 3 m tiefer gelegenen kleineren Teil. Der untere Burghof war früher bedeutend größer, da das Pastorat nicht bestand und die Abgrenzung dieses Platzes durch eine hohe, dicke Mauer mit Wehrgang sich vollzog. Diese Mauer führte vom Hungerturm an in nördlicher Richtung in der Länge des Burgherren-Palas und bog dann nach Osten um zum Bergfried. Nach einer alten Chronik des Jahres 1732 befand sich in dieser Wehrmauer noch ein zweites Tor in Richtung Manscheid. Auf dem oberen Burgbrunnenhof befindet sich heute noch der sehr tiefe, ausgemauerte Burgbrunnen. Früher stand auf demselben ein festes Brunnenhäuschen, aus starken Eichenbalken gefügt, mit einem Wellrad. Um die Welle legte sich beim Hochdrehen des schweren Holzeimers eine Kette, die so lang war, dass sie die Welle fünfmal überlagerte, was einer Länge von 25 m entsprach. Dieser Brunnen wurde auch in trockenen, heißen Sommern nicht leer. Später wurde das Häuschen entfernt und durch eine nicht gerade schön wirkende Eisenpumpe ersetzt.
Im unteren Burghof bemerken wir den mächtigen Bastionsturm, im Volksmunde auch Hexen- oder Hungerturm genannt. Mit Außenmauern von 4,40 m bot er dem schwersten Geschützfeuer Gegenwehr. Im Herbst 1944 traf ihn eine amerikanische Granate, ohne merklichen Schaden anzurichten. Er diente verschiedenen Zwecken. Er war Wohnturm, Verteidiger der Süd- und Westflanke und Verließ. Von der Manscheiderseite aus macht er einen imposanten Eindruck. Vom unteren Burghofe treten wir durch einen schmalen Gang, durch eine knarrende mit starken Eisenriegeln verwahrte Tür in einen kalten, finsteren, kreisförmigen Raum. In der Mitte des Raumes sehen wir eine in Sandstein gefasste Öffnung von 1 qm Größe. Diese Öffnung führt in das etwa 10 m tiefe Untergeschoß des Turmes. Die Gefangenen und der Aufseher wurden mit einer Seilwinde in die Tiefe gebracht und wieder heraufgeholt. Neben dem oberen Gefängnisraum befindet sich eine Kammer mit zwei Schießscharten.
Das zweite Stockwerk ist nur durch die Parterre der Hauptburg zu erreichen, und zwar durch den alten Wehrgang, dessen Nischen heute noch erhalten sind. Es ist ein tonnengewölbter Wohnraum von 3,50 m + 5,50 m. In Richtung Tal liegen in besonderen gewölbten Kammern zwei schmale, 1,30 m hohe Schlitze und eine jetzt vermauerte Wehrgangstür, außen auch an Konsolsteinen kenntlich. Dazu kommt sowohl vom Gang aus, wie durch eine später vermauerte Tür zugängig, eine lange schmale Schießnische im Wehrgang. Sie wurde im 18.Jahrhundert zum Abort gemacht. In dem erwähnten Wohnraum befindet sich ein Kamin von 2 m Breite. Das obere Geschoß, von der ersten Etage der Hauptburg zu erreichen, wurde von den Prämonstratensern als Mansarde ausgebaut und diente als Schlafraum.
Abschließend kann man anhand der erhaltenen Teile die Burganlage folgendermaßen rekonstruieren: Am westlichen Ende des Burghügels lag in Form eines schiefen Vierecks die Hauptburg mit oberen und unterem Burghof. Die Außenmauer mit Tor und Wehrgang vom Hexenturm durch die Hinterseite der Hauptburg bis zum Bergfried, weiter nach Norden durch die Hinterseite des lang gestreckten Wirtschaftsgebäudes, über die Abgrenzungsmauer zum Dorf bis zum Tor an der Fallbrücke. Der Wehrgang an der Südseite führte vom Hexenturm durch die Außenmauern der Wirtschaftsgebäude, des Pförtnerhauses ebenfalls zum Tor an der Fallbrücke. Der Palast, mit Wehrturm und Bergfried, war außerdem eine Befestigung für sich. Die außerhalb des Wehrganges liegenden Mauern waren als Hindernisse, so genannte Zwinger gedacht.
Die Geschichte der Kirche und Pfarrei 
Pfarrkirche
Ein Gotteshaus in Wildenburg wird erstmals 1263 erwähnt. Es ist die Burgkapelle, deren Altarraum heute noch von der Orgelbühne aus zugänglich ist. Unter Edmund von Engelsdorf verleiht ihr 1380 Kardinalspriester Pileus Ablässe und gestattet dort die Aufbewahrung der Eucharistie. Die Kapelle gehört zur Mutterpfarre St. Andreas zu Steinfeld im Erzbistum Köln. Reinhard von Pallandt baute ein neues Gotteshaus, dem Nuntius Zacharias bei König Ferdinand I. im Jahre 1562 alle Rechte einer Pfarrkirche verleiht. Am 22. Februar 1563 wird sie vom Kölner Weihbischof Johannes, Bischof von Cyrene, zu Ehren Gottes und zum Andenken an die Jungfrau Maria und Johannes den Täufer geweiht. Diese Pfarrerhebung wird von der Abtei Steinfeld mit Erfolg angefochten, weil sie ohne die nötige Zustimmung der Mutterkirche erfolgt ist. Bis auf das Begräbnisrecht (auf dem Friedhof Kreuzberg, ab 1848 auch in Wildenburg) verliert das neue Gotteshaus ab 1573 wieder alle Eigenschaften einer Pfarrkirche. Nach dem Erwerb der Herrschaft Wildenburg baut der Steinfelder Abt Michael Kuell zwischen 1717 und 1720 den Palas der Burg zur heutigen Kirche St. Johann Baptist um. Die alte Kapelle dient noch zeitweilig als Begräbnisstätte für einige vornehme Familien und wird schließlich abgerissen.
Nach der Zuordnung des Gebietes zum Bistum Trier (1802) wird Wildenburg 1803 selbstständige Pfarrei mit den Orten Bungenberg, Felser (später wieder ausgepfarrt), Hecken, Heiden, Kreuzberg, Linden, Manscheid, Oberschömbach, Paulushof, Unterschömbach, Wildenburg und Winten.
Nach Wiedereinrichtung des Erzbistums Köln (1852) kommt die Pfarre zum Dekanat Steinfeld und verbleibt auch dort, als 1930 das Bistum Aachen entsteht.
1953 werden die Dörfer Bungenberg, Manscheid, Wildenburg und Winten zu einem Rektorat innerhalb der neugebildeten Pfarrei Kreuzberg zusammengefasst. Das Gotteshaus darf den Titel Pfarrkirche weiterführen. Zwei Jahre später erfolgt die vermögensrechtliche Trennung von Kreuzberg, 1960 wird Wildenburg Pfarrvikarie.
Nach der zeitweiligen Zuordnung zum Dekanat Schleiden gehört die Pfarre seit 1973 zum Dekanat Hellenthal.
Der Innenraum der Kirche
Altäre, Kanzel und Beichtstühle (jetzt gegen moderne ausgetauscht) sind Arbeiten Steinfelder Mönche aus dem 18. Jahrhundert. Auf dem Hochaltar (mit Muschelnischen, seitlichen Säulen und Aufsätzen im gebrochenen Giebel) sehen wir in der Mitte die fast lebensgroße Holzfigur des Hl. Johannes des Täufers (Schutzpatron) mit einem Mantel über der Schulter, sonst mit Tierfellschurtz bekleidet, zu den Füßen das Lamm, links die des Hl. Norbert von Xanten (Gründer des Prämonstratenserordens) und rechts die Gestalt des Steinfelder Heiligen Herman-Josef (beide 1,30 m groß). Auf dem linken Seitenaltar finden wir die Statue des Schutzengels (wohl wegen der einstigen Schutzengelbruderschaft 1752).
Die Kanzel, ein Achteck mit vor den Kanten gedrehten Säulchen und in den Füllungen ein Netzwerkmuster, wird von der Figur des Hl. Michael gekrönt. Auf einer Konsole an der rechten Seitenwand sehen wir eine Sitzfigur der Mutter Anna, 85 cm hoch, eine gute rheinische Arbeit des 15. Jahrhunderts mit sehr sicherem Faltenmotiv. Das jugendlich ansprechende Antlitz steht im starken Gegensatz zu dem gefalteten Kopf- und Halstuch. Das Kleid gleitet in straffen Falten herab, unterbrochen durch einen über den Schoß gelegten Mantelumschlag.
Holzkruzifixus des 15.Jahrhunderts mit alter Bemalung, 76 cm hoch, grobe, aber wirkungsvolle Arbeit.
Holzkruzifixus aus der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts in Weiß und Gold. 58 cm hoch eleganter, ausdrucksvoll geschwungener Körper. Der geneigte, gealterte Kopf mit dem Ausdruck des Verschiedenseins. Um Raum zu gewinnen, wurden Seitenaltäre und Kanzel 1957/58 in Richtung Hauptaltar verschoben. Im gleichen Jahr wurde aus dem dreiteiligen barocken Orgelprospekt aus dem 18. Jahrhundert die aus Bürvenich stammende Orgel durch eine neue ersetzt. Unter der Orgelempore befinden sich die 12. Kreuzwegstation, eine Gold-Emaille-Senkarbeit von Schwester Lioba Munz (Fulda) OSB aus dem Jahr 1960, und als Andachtsbild die Kopie einer Marien-Ikone zur Immerwährenden Hilfe.
Der von Prof. K.W. von Borries entworfene und nach dessen Tod von Jochen Pechau gestaltete Zelebrationsaltar enthält auf seinen vier identischen Bronzeplatten das Motiv des brennenden Dornbuschs (Exodus 3). Am 11. Juli 1987 wurden von Weihbischof Karl Reger diesem Altar Reliquien des Hl. Hermann-Josef von Steinfeld beigegeben.
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Die Kirche besitzt die Glocken e (Johannes) und fis (Jesus) vom Jahre 1777 (von Martin Legros) und cis (Maria) vom Jahre 1954 (von August Mark). Mit diesen Glocken wird traditionell an Fronleichnam und zum Johannesfest zu den Prozessionen nach folgenden Melodien "gebaiert": Melodie 1: e, fis, cis, cis und Melodie 2: fis, e, fis, e, cis, cis, cis, cis
Redaktionelle Bearbeitung:Prof. Dr. Bernd P. Pietschman, www.contrainaix.de
Quellennanchweis:
Geschichte & Burgort: Autor Eduard Klippel, "Die Bergfest Wildenburg", Berg. Gladbach im April 1962